Nagelstudio eröffnen: Was es in Österreich wirklich kostet
Die Anmeldung ist gratis. Der Monat danach nicht.
Die Gewerbeanmeldung selbst kostet nichts. Ab dem ersten Tag zahlst du aber SVS-Beiträge: mindestens € 160,81 im Monat, auch wenn du null Umsatz machst. Dazu kommt die Pflichtmitgliedschaft in der Wirtschaftskammer. Die Anschaffung ist deine Entscheidung – diese laufenden Pflichtbeiträge sind es nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Anmeldung eines freien Gewerbes kostet € 0 – keine Bundesverwaltungsabgabe.
- Ab Tag eins: mindestens € 160,81 SVS im Monat, unabhängig vom Umsatz.
- Die Unfallversicherung von € 12,95 im Monat bleibt auch bei Befreiung bestehen.
- Die Kleinunternehmerregelung befreit nur unter € 6.613,20 Jahresgewinn und € 55.000 Umsatz.
- Die WKO-Mitgliedschaft ist verpflichtend und kostet – den Betrag nennt dir die Landesinnung.
Die Zahlen auf einen Blick
Was kostet die Gewerbeanmeldung selbst?

Nichts. Für ein freies Gewerbe fällt in Österreich keine Bundesverwaltungsabgabe an, und „Modellieren von Fingernägeln (Nagelstudio)“ ist ein freies Gewerbe. Du meldest online über GISA oder beim Magistrat in Wien an, bekommst deine GISA-Zahl und darfst ab diesem Moment arbeiten.
Wenn du im Netz eine Anmeldegebühr von „10 bis 80 Euro“ liest, liest du eine deutsche Seite. Das ist der häufigste Fehler in den Suchergebnissen zu dieser Frage: Deutsche Ratgeber werden auf Österreich übertragen, obwohl hier andere Regeln gelten. Den wörtlichen Nachweis, dass das Gewerbe frei ist, findest du auf Nageldesign ist ein freies Gewerbe.
„Gratis anmelden“ ist die halbe Wahrheit Der Behördengang kostet nichts. Der erste Monat danach schon.
Mit der Anmeldung entstehen zwei Pflichten, die niemand extra beantragt und die trotzdem ab dem ersten Tag laufen: die Pflichtversicherung bei der SVS und die Pflichtmitgliedschaft in der Wirtschaftskammer. Beide kommen als Vorschreibung, nicht als Frage.
Was zahlst du ab dem ersten Tag, auch ohne Umsatz?
Die SVS-Beiträge. Sie werden von deinem Gewinn berechnet, aber es gibt eine Untergrenze – und unter die kommst du nicht, egal wie ruhig der Monat war. Das ist die Zahl, die in keinem der Ratgeber zu dieser Frage steht.
Die Werte für 2026, wie sie die Wirtschaftskammer mit Stand 1. Jänner 2026 veröffentlicht.
Rechne den Mindestbeitrag als Fixkosten, nicht als Steuer. Er fällt in dem Monat an, in dem du drei Kundinnen hattest, genauso wie in dem, in dem du dreißig hattest.
€ 160,81 im Monat sind rund vier Sets – bevor du irgendetwas verdient hast.
Startkosten-Rechner für dein eigenes Studio
Fünf Regler, deine eigenen Zahlen. Wir erfinden keine Durchschnittswerte für Wien – die Voreinstellungen sind bewusst schlichte Annahmen, die du überschreiben sollst.
Tisch, Stuhl, Lampe, Fräser, Absaugung, Erstausstattung an Material.
Setz 0 ein, wenn du mobil arbeitest oder von zu Hause startest.
Gel, Tips, Feilen, Einwegmaterial und Desinfektion für eine Behandlung.
Was du für eine Neumodellage verlangen willst.
Wie viele Behandlungen du dir realistisch zutraust.
Schätzung
- Fixkosten pro Monat
- € 1.016
- Umsatz pro Monat
- € 3.118
- Sets, um die Miete zu decken
- 12
- Anschaffung verdient nach
- 3 Mon.
Miete plus Material für 52 Sets
vor Steuern, SVS und deinem eigenen Lohn
pro Monat, nur für die Miete
wenn du sonst nichts entnimmst
Annahmen dieser Rechnung
- Ein Monat = 4,33 Wochen.
- Nicht enthalten: Einkommensteuer, SVS-Beiträge, Versicherung, Buchhaltung, Werbung und dein eigener Lohn.
- Nicht enthalten: Nachbesserungen und Termine, die abgesagt werden. Beides gibt es, und beides senkt die Zahl oben.
- Alle Werte stammen aus deinen Eingaben. SONAIL gibt damit keine Ertragsprognose ab und sichert kein Einkommen zu.
Kannst du dich von der SVS befreien lassen?

Unter Umständen ja, über die Kleinunternehmerregelung. Sie ist aber enger, als der Name vermuten lässt, und sie befreit dich nicht von allem. Zwei Grenzen müssen gleichzeitig eingehalten werden – nicht eine davon.
Und selbst mit der Befreiung bleibt ein Posten bestehen: Der gesetzliche Unfallversicherungsschutz läuft weiter, € 12,95 im Monat. Die SVS sagt das ausdrücklich dazu, und es ist gut so – ein Arbeitsunfall am Fräser ist kein theoretisches Risiko.
- Gewinn höchstens € 6.613,20 im Jahr: Das sind rund € 551 im Monat. Wer davon leben will, ist nicht in dieser Gruppe.
- Umsatz höchstens € 55.000 im Jahr: Und zwar aus allen betrieblichen Tätigkeiten zusammen, nicht nur aus dem Studio.
- Höchstens 12 Monate Versicherung in den letzten 60 Monaten: Die Regelung ist für den Einstieg gedacht, nicht als Dauerlösung.
- Du musst sie beantragen: Sie gilt nicht automatisch. Ohne Antrag zahlst du den Mindestbeitrag, auch wenn du die Grenzen einhältst.
Wofür die Regelung wirklich taugt Für den nebenberuflichen Einstieg, nicht für den Hauptberuf.
Wer neben einer Anstellung ein paar Sets im Monat macht, bleibt realistisch unter beiden Grenzen. Wer vom Studio leben will, überschreitet sie im ersten guten Quartal – und sollte deshalb von Anfang an mit dem Mindestbeitrag rechnen.
Was kostet die Ausstattung?
Das können wir dir nicht seriös sagen, und die Seiten, die es tun, auch nicht. Die Zahlen, die zu dieser Frage kursieren, reichen von „€ 5.000 bis € 15.000“ bis „€ 15.000 bis € 100.000“ – beide ohne Quelle, beide meist von deutschen Anbieterseiten, und beide so weit auseinander, dass sie nichts entscheiden.

Was du in jedem Fall brauchst
Tisch, Stuhl, Lampe, Fräser, Absaugung und eine Erstausstattung an Material. Ob das € 3.000 oder € 12.000 sind, entscheidest du mit der Auswahl, nicht der Markt.
Was den Unterschied macht
Ein eigenes Lokal gegen Stuhlmiete gegen mobil arbeiten. Das ist der größte einzelne Posten und die erste Entscheidung, nicht die letzte.
Was beim Übernehmen zu prüfen ist
Gebrauchte Gele können TPO enthalten – seit 1. September 2025 verboten, auch für Restbestände. Lies die INCI-Liste, bevor du etwas übernimmst.
Was gern vergessen wird
Versicherung, Buchhaltung, Registrierkasse und Werbung. Keiner dieser Posten ist groß, alle vier zusammen sind es.
Deshalb rechnet der Rechner unten mit deinen Zahlen Wir setzen keine erfundenen Wiener Durchschnittswerte ein.
Eine Ertragsangabe muss in Österreich belegbar sein (§ 2 UWG). Für die Ausstattung eines Wiener Nagelstudios gibt es keine geprüfte Datengrundlage – also stellst du die Werte ein, und wir rechnen nur nach, wie viele Sets sie tragen müssen.
Wie viele Sets tragen diese Kosten?

Das ist die Frage, die die Kostenliste in eine Entscheidung verwandelt. Der SVS-Mindestbeitrag allein entspricht bei einem Preis von € 60 und € 8 Material rund vier Sets im Monat – bevor Miete, Steuer oder dein eigener Lohn überhaupt anfangen.
Nimm den Rechner unten und stell deine eigenen Werte ein: Miete, Material pro Set, dein Preis, dein Tempo. Er sagt dir, wie viele Behandlungen deine Fixkosten decken und nach wie vielen Monaten die Anschaffung verdient ist. Was er nicht abzieht, steht als Annahme darunter.
Die Anmeldung ist an einem Vormittag erledigt und kostet nichts – deshalb glauben viele, der Rest sei auch billig. Die erste SVS-Vorschreibung kommt später, und sie kommt auch dann, wenn der Monat schlecht war.
Parastoo Keshavarz, Ausbildung & Qualität bei SONAIL, Wien
Und wenn du angestellt bleibst?
Dann fällt diese ganze Seite weg. Als Angestellte brauchst du keine Gewerbeberechtigung, zahlst keine SVS-Beiträge und keine WKO-Grundumlage – die Berechtigung hat der Betrieb, und die Sozialversicherung läuft über die Lohnverrechnung. Dafür ist dein Verdienst gedeckelt und nach oben verhandelbar statt offen.
Der Kollektivvertrag garantiert dir dabei einen Boden: € 2.054,59 brutto im Monat in Lohngruppe 2c ab 1. Juli 2026. Selbstständig gibt es keinen Boden. Die vollständige Gegenüberstellung steht auf Angestellt oder selbstständig.
Häufige Fragen
Nichts. Für ein freies Gewerbe fällt keine Bundesverwaltungsabgabe an. Angaben von „10 bis 80 Euro“ stammen von deutschen Seiten und gelten hier nicht.
Rechne es mit deinen eigenen Zahlen durch
Fünf Regler: Anschaffung, Miete, Material, dein Preis, dein Tempo. Der Rechner sagt dir, wie viele Sets deine Fixkosten decken – ohne erfundene Wiener Durchschnittswerte.
Zum Startkosten-RechnerRechtsstand und Quellen
Rechtsstand: 6. August 2026. Die SVS-Werte stammen aus der WKO-Übersicht mit Stand 1. Jänner 2026 und von svs.at, geprüft am 6. August 2026. Die WKO-Grundumlage ist hier bewusst nicht beziffert: Sie wird je Fachgruppe und Bundesland jährlich festgelegt – frag den Betrag bei der Landesinnung ab. Beiträge und Grenzen ändern sich jährlich.
- WKO: Gewerbliche Sozialversicherungsbeiträge – Ausmaß · Stand Stand 1. Jänner 2026
- SVS: Kleinunternehmer – Ausnahme von der Pflichtversicherung · Stand abgerufen 6. August 2026
- WKO: Gewerbeanmeldung: Schritte & Voraussetzungen · Stand abgerufen 6. August 2026
- WKO: Lohnordnung Fußpfleger-, Kosmetiker- und Masseurgewerbe · Stand gültig ab 1. Juli 2026